Meyer Burger Moritz Borgmann
02.03.2021 - Interview

Interview mit Moritz Borgmann

Herr Borgmann, Sie sind neu im Management-Team – was hat Sie motiviert zu Meyer Burger zu wechseln?

Den fortschreitenden Klimawandel halte ich für besorgniserregend und das wichtigste Problem, das die Menschheit lösen muss, um die Lebensgrundlagen für folgende Generationen zu bewahren. Seit Jahren engagiere ich mich auch beruflich für dieses Ziel. Bisher als Berater bei einer auf Cleantech spezialisierten Unternehmensberatung. Die von Meyer Burger zur industriellen Reife gebrachte Heterojunction-Technologie halte ich für sehr vielversprechend als Basis für die nächste Generation von Solarzellen. Aber den Ausschlag dafür, ins operative Geschäft zu wechseln, hat letztlich Meyer Burgers Team unter der Führung von Gunter Erfurt gegeben: Kompetenz, Teamgeist und die Passion für die Umsetzung der neuen Vision haben mich überzeugt.

Schwerpunkte in Ihrem Aufgabenbereich sind der Aufbau der neuen Vertriebsorganisation sowie das Marketing – beides enorm wichtig, um die Ziele als Zell- und Modulhersteller zu erreichen. Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?

Ganz klar, Meyer Burger hat heute keine etablierte Position als Zell- und Modulhersteller, das müssen wir uns in kürzester Zeit erarbeiten. Dazu gehört der Aufbau einer in grossen Teilen komplett neuen Vertriebs- und Marketingorganisation. Was mich sehr positiv stimmt, ist der Enthusiasmus, den ich überall verspüre.

Wo spüren Sie Enthusiasmus?

Zunächst einmal gewinnen wir stetig neue Mitarbeitende, die ausnahmslos die Aufbruchsstimmung verbreiten und an der Renaissance der europäischen Solarindustrie mitwirken wollen. Zum anderen sind wir nicht allein, sondern gestalten den Vertrieb mit Partnern. Die Resonanz ist enorm positiv – es wird überall bestätigt, dass es eine hohe Nachfrage nach einem Premium-Solarmodul «Made in Europe» gibt. Auf der Marketingseite haben wir auch grossartige Unterstützung – so konnten wir die renommierte deutsch-schweizerische Agentur Jung von Matt an uns binden, um den Markenauftritt neu zu gestalten.

 


«Meyer Burger kann auf einem Markenkern aufbauen, der für Innovationskraft, höchste Qualität und Zuverlässigkeit steht.»


 

Meyer Burger ist als Marke innerhalb der Branche bekannt – ausserhalb allerdings kaum, schon gar nicht als Modulhersteller. Wie wollen Sie die neue Modulmarke positionieren?

Diese Schwäche ist zugleich unsere Stärke. Meyer Burger kann auf einen Markenkern aufbauen, der für Innovationskraft, höchste Qualität und Zuverlässigkeit steht. Die Marke steht für diese Solidität, die Tradition sowie die Herkunft in der Schweiz reflektiert. Dies ist eine grossartige Basis, um uns als die Solarmarke beim Endkunden zu etablieren. Der Markt ist bislang dominiert von asiatischen Marken mit grösstenteils austauschbarer Technologie. Wir positionieren Meyer Burger als europäische Premiummarke, designed in Switzerland, made in Germany.

Warum sollen Kunden ausgerechnet von Meyer Burger Module kaufen?

Eine Solaranlage ist oft eine Anschaffung fürs Leben und weithin auf dem Dach sichtbar. Meyer Burger wird ein überzeugendes Angebot machen: Wir liefern die ertragsstärkste Technologie im Markt, so dass unsere Kunden bis zu 20 Prozent mehr Energie aus der gleichen Fläche gewinnen. Dies ist ein schlagendes Argument, weil wir es oft mit begrenz- ten Dachflächen zu tun haben und der Strombedarf durch Energiespeicher, Wärmepumpen, elektrische Warmwasserbereitung, E-Mobilität etc. ständig steigt. Gleichzeitig ist unser Produkt ästhetisch sehr ansprechend und bietet höchste Qualität. Und nicht zuletzt: Zelle und Modul werden bei Meyer Burger nachhaltig unter hohen Umwelt- und Sozialstandards gefertigt.

Wie wird das Vertriebsnetz für Solarmodule und -zellen aussehen? Warum verkaufen Sie nicht direkt an Endkunden?

Wir freuen uns sehr über das hohe Interesse von Endkunden und werden diese gerne unterstützen, einen kompetenten Installateur in ihrer Region zu finden. Wir haben uns jedoch bewusst dafür entschieden, nicht direkt an Endkunden oder Installateure in unseren Zielmärkten zu vertreiben, sondern in Partnerschaft mit dem Grosshandel zu agieren. Dieser ist ein hochkompetenter Ansprechpartner mit etablierten Beziehungen zu den Installateuren, der uns hilft, das Produkt in den Markt einzuführen und langfristig erfolgreich zu vertreiben.

Es besteht Konsens, dass die PV-Industrie in diesem Jahrzehnt markant wachsen wird. Was sind Ihre Einschätzungen und Prognosen?

Die Solarindustrie hat in der letzten Dekade bereits eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Ich bin überzeugt davon, dass dies erst der Beginn einer weiterhin explosiven Entwicklung ist. Der Aufstieg der Solarenergie zur global dominierenden Energiequelle ist unaufhaltsam. Statt eigener Prognosen zitiere ich lieber die jüngste Einschätzung von Jenny Chase bei Bloomberg New Energy Finance (BNEF), die nach 132 GW Zubau in 2020 für 2021 eine Marktgrösse von bis zu 194 GW vorhersieht – wohlgemerkt vor dem Hintergrund einer globalen Pandemie.

Warum glauben Sie an die Renaissance der PV-Industrie in Europa?

Wirtschaft und Politik haben erkannt, dass Photovoltaik eine strategische Schlüsseltechnologie für die Zukunft ist, welche wir auch in Europa beherrschen müssen. Wir erfahren eine deutlich wachsende Unterstützung aus der Politik. Gleichzeitig ist in der Pandemie das Bewusstsein für die Anfälligkeit der globalen Lieferketten stark gewachsen. Dies ist auch noch nicht ausgestanden, zum Beispiel erleben wir gerade, dass die Frachtraten aus Asien um das Zehn- oder Zwanzigfache in die Höhe geschossen sind. Vor dem Hintergrund ist eine lokale Fertigung der einzig richtige Schritt.

Kann Meyer Burger eine solche Renaissance auslösen?

Ich glaube, ja. Als der «Motor» der Solarindustrie werden wir eine Führungsrolle auch in Europa übernehmen können. Mit der neusten Technologiegeneration Heterojunction/SmartWire und der Kombination aus höchster Leistung bei wettbewerbsfähigen Herstellungskosten ist eine solide Basis geschaffen. Mit unserer differenzierten, proprietären Spitzentechnologie kann die Renaissance der europäischen Solarindustrie gelingen. Meyer Burger wird vorangehen und im Zusammenspiel mit anderen Marktteilnehmern vor allem die Lieferketten der Solarindustrie in Europa wieder stärken.

Meyer Burger hat das ehrgeizige Ziel, europäischer Spitzenreiter und globaler Player bei der Herstellung hocheffizienter Zellen und Module zu werden. Sind die Voraussetzungen gegeben?

Das erste Mal in der Geschichte der Solarindustrie haben wir eine Basistechnologie in der Hand, die höchste Performance liefert, aber gleichzeitig so wettbewerbsfähige Herstellungskosten bietet, dass wir mittelfristig in allen Marktsegmenten sehr gut positioniert sein werden – im Dachsegment für Wohnhäuser, Gewerbe und Industrie, aber auch in grossen Solarkraftwerken. Bislang war das ein Entweder-oder: Premium-Technologie für anspruchsvolle Hausbesitzer, oder undifferenzierte mittelmässige Technologie für Grossanlagen.

Meyer Burger stellt in Aussicht, dass ihre Solarzellen und -module der Spitzenklasse mit asiatischen Produkten konkurrieren können – wie soll das möglich sein?

Die Kosten von Meyer Burgers Herstellungsprozess sind absolut wettbewerbsfähig. Angesichts von hoher Automatisierung und des angestrebten hohem schnellen Wachstums der Produktionskapazitäten gibt es nur noch geringfügige Kostennachteile in 

einzelnen Positionen wie Lohnkosten. Beim Transport haben wir unschlagbare Vorteile – nicht nur kostenmässig, sondern auch weil unsere Produkte nicht wochenlang auf einem Containerschiff und unter starker Umweltbelastung unterwegs sind, sondern innerhalb kürzester Zeit aus unserer Fabrik im Lager unserer Kunden landen. Aber am wichtigsten: wir konkurrieren ja gar nicht um die billigsten Preise, sondern haben ein viel besseres, differenziertes Produkt zu bieten.

Markteinführung ist für Juli 2021 im Hinblick auf die Intersolar-Messe in München geplant, wie sicher ist das?

Wir rechnen derzeit mit einer hybriden Messe, also einem Auftritt vor Ort unter Corona-Auflagen und einer virtuellen Präsentation. Was für den Markteintritt entscheidend ist: Bereits vor dem Produktionsstart, ab April, werden wir das Produkt bei den Installateuren vorstellen. Dabei arbeiten wir eng mit unseren Partnern im Grosshandel zusammen, so dass bereits kurz nach Produktionsstart die ersten Meyer-Burger-Anlagen auf europäischen Dächern installiert werden können.

Welche Märkte bedienen Sie in einer ersten Phase?

Unser Fokus ist auf grosse europäische PV-Märkte ausgerichtet, angefangen mit Deutschland, österreich und der Schweiz. Interessant ist, dass die Schweiz inzwischen eine beachtliche Marktgrösse erreicht hat. Wir glauben, mit unserem Produkt dort besonders punkten und rasch bedeutende Marktanteile gewinnen zu können. Darüber hinaus werden wir anfangs in den Benelux-Ländern, Italien, Frankreich, Grossbritannien, Polen und den nordischen Ländern aktiv unser Produkt vermarkten. Wir planen danach rasch in den US-Markt einzusteigen – unsere Gespräche dort signalisieren uns, dass für unser Hochleistungsprodukt eine enorme Nachfrage besteht.

Weshalb fokussiert Meyer Burger vorerst auf das Segment der Module für Dachanlagen?

Wir werden das beste und ertragsstärkste Produkt für Dachanlagen auf dem Markt anbieten können. Mit unserer anfänglich begrenzten Produktionskapazität ist es strategisch sinnvoll, sich auf dieses Segment zu fokussieren, in welchem wir den Wert unserer Technologie maximal heben können.





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